Wing Tsun KungFu

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Bei Wing Tsun handelt es sich um eine asiatische Kampfkunst zur Selbstverteidigung mit ganz speziellen Prinzipien, die aus konzentrierten Übungen und das bewusste Sicheinlassen bestehen. Als Voraussetzungen für Wing Tsun gelten nicht Muskelkraft und Kondition, sondern die Bereitschaft der Schüler, sich auf den eigenen Körper einzulassen, die eigenen Stärken kennenzulernen und entsprechend für die Selbstverteidigung zu nutzen.

Wer ist für Wing Tsun geeignet?

Wing Tsun kann jeder erlernen und ist für jedermann geeignet, egal ob Jung oder Alt, ob Klein oder Groß, da das Wing Tsun Training sich auf das individuell vorhandene Körperpotential der Schüler aufbaut, wodurch die körperliche und geistige Flexibilität gesteigert und die Wahrnehmungsfähigkeit gefördert wird. Dadurch erlangen die Schüler gleichzeitig auch mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit für das tägliche Leben und werden zunehmend in die Lage versetzt, Konflikten und gefährlichen Situationen selbstsicherer und deeskalierend zu begegnen, womit durch Wing Tsun ein Beitrag zur Gewaltfreiheit geleistet werden kann.

Was wird im Wing Tsun Training erlernt?

Im Training werden die wichtigsten Phasen der Lehre von Wing Tsun erlernt, die der körperlichen Selbstverteidigung, der Strategie und Taktik und der Selbstvervollkommnung der Schüler dienen. Es wird gelehrt und trainiert, sich vor körperlichen Angriffen zu schützen und diese erfolgreich zu meistern. Es werden Taktiken und Stategien gelehrt und geübt, wodurch die eigenen Fähigkeiten sowie die eigene Persönlichkeit gestärkt werden. Das Ziel besteht darin, die großen 7 Fähigkeiten zu erlangen. Diese sind:

  • Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Vorstellungskraft
  • Gewandtheit, Beweglichkeit, Flexibilität
  • Balance
  • Körpereinheit
  • Wahrnehmung, Staffel der Sinne
  • Timing und Distanzgefühl
  • Kampfgeist

Was ist das Besondere an Wing Tsun?

Das Denken in Prinzipien stellt eine besondere Charakteristik von Wing Tsun dar. Es handelt sich bei den Prinzipien um Weisungen bzw. Orientierungshilfen, die bewusst in der reflexiven Befehlsform formuliert werden, damit klar und unmissverständlich definiert wird, was zu tun ist. Dabei ist ein entscheidender Vorteil in der Allgemeinheit, Allgemeingültigkeit und Übertragbarkeit der Prinzipien zu sehen. Wenn ein Schüler die Prinzipien beachtet, verhält er sich auch in vollkommen unbekannten Situationen korrekt und begeht im Normalfall zumindest keine gravierenden Fehler.

Was sind die Prinzipien von Wing Tsun?

Die nachfolgend aufgeführten Prinzipien stellen nur eine kleine und beispielhafte Auswahl dar, wie sie in unterschiedlichen Wing Tsun-Stilen vorkommen können. Von Stil zu Stil können die Prinzipien mitunter recht stark variieren. Im Wing Tsun und dessen Derivaten werden beispielweise folgende Prinzipien gelehrt:

Die Kraftprinzipien

    Diese Prinzipien beinhalten:
  • Befreie dich von deiner eigenen Kraft.
  • Befreie dich von der Kraft deines Gegners.
  • Nutze die Kraft des Gegners.
  • Füge deine eigene Kraft hinzu.

Die Kampfprinzipien

    Hier besteht folgender Inhalt:
  • Ist der Weg frei, stoß vor.
  • Ist der Weg versperrt, bleib kleben.
  • Ist die Kraft des Gegners zu groß, gib nach.
  • Weicht der Gegner zurück, folge.
 

Wie entstand Wing Tsun?

Wing Tsun wurde vor ca. 300 Jahren von der Shaolin-Nonne Ng Mui in China entwickelt, wie die Legende besagt. Allerdings gibt es viele Legenden, die sich um die Entstehung und Geschichte des Wing Tsun ranken, und wenn Sie sich ein wenig tiefer in die Vorgeschichte begeben möchten, auf der nachfolgenden Seite finden Sie zur Geschichte weitere und ausführliche Informationen.

Siu-Nim-Tao schlecht - Wing Tsun schlecht !

Siu-Nim-Tao schlecht - WingTsun schlecht! Es gibt Schüler, die die Siu Nim Tau (SNT) als eine Art notwendiges Übel betrachten und ihr deswegen nicht genügend Aufmerksamkeit widmen. Wir Europäer machen uns oft darüber lustig, daß in Hongkong die Anfänger oft 20 Minuten im Stand stehen, ohne sonst etwas zu tun. Wir sind gewohnt, an eine Sache zielstrebig heranzugehen und wollen möglichst schnell einen Erfolg sehen. Wenn nun ein Lehrer seine Schüler im Training nur stehen läßt, so bekommen sie das Gefühl, nichts Brauchbares zu lernen, sie werden ungeduldig und werden in letzter Konsequenz dieser Schule den Rücken kehren. Damit geht ihnen aber einer der wichtigsten Aspekte jeder Kunst verloren: Geduld und Ausdauer. Anders bei den Chinesen. Sie wissen (wielange noch?), daß das Erlernen eines Kung Fu-Stils eine lange Zeit braucht, daß es harter Arbeit bedarf (Kung Fu = "harte Arbeit"), nicht nur an der Technik, sondern auch an sich selbst. Wir Europäer gleichen da eher einem, der Klaviervirtuose werden will, ohne Fingerübungen zu machen und ohne Tonleitern zu spielen. Er beginnt, sobald er nur die ersten Töne erzeugt hat, gleich mit dem Üben von Chopin und glaubt, wenn er nur zweimal in der Woche an einem Stück übt und dann nach einem Jahr die ersten Seiten mit Ach und Krach spielen kann, ein Könner zu sein.

In diesem Sinne möchte mancher Wing Tsun-Schüler die erste Form lernen, ohne das "in den Stand Gehen" der Siu Nim Tau nur einigermaßen zu beherrschen oder sich darüber eine "kleine Idee" zu eigen gemacht zu haben, das heißt, die beteiligte Muskulatur zu fühlen und die Schwierigkeit dieser Bewegung zu erkennen. Dagegen möchte ich behaupten, daß derjenige, der dieses "in den Stand gehen" perfekt beherrscht, schon ein besseres Gleichgewicht hat, als jemand, der nachlässig Cham Kiu (2.Form) übt.

Nun sind wir aber bei der SNT erst an der Stelle, wo bei manchen die SNT erst anfängt, nämlich, wenn sie schon stehen und die Armbewegungen beginnen. In demselben Maße wird nun auch das Stehen während der einzelnen Sätze vernachlässigt, das heißt, der Stand ist nicht bewusst oder nur für ein paar Sekunden, nachdem der Lehrer in korrigiert hat. So wird das Ziel der SNT, Unabhängigkeit der Armund Fußarbeit zu entwickeln, einen gleichmäßig stabilen Stand unabhängig von der jeweiligen Armbewegung einzuhalten, nicht erreicht. Um aber dieses Ziel zu erreichen, ist nicht nur die Fähigkeit nötig, die Muskeln in einen bestimmten Zustand zu bringen, sondern auch, sich dieses Zustandes in jeder Phase bewußt zu sein. Von den Zehenspitzen bis in die Haarwurzeln muß ich meinen Körper fühlen, ohne daß ein Teil meine Aufmerksamkeit zu sehr an sich fesselt. Während mein rechter Arm sich langsam auf der korrekten Bahn nach vorne schiebt, muß ich im selben Augenblick darauf achten, daß mein linker Arm mit gleichbleibender Spannung seine Position behält. Eine Erhöhung der Spannung auf der rechten Seite darf noch nicht einmal zum Zucken des linken Armes führen. Dazu kommt natürlich wie oben schon erwähnt, der Stand und, was vielleicht im Augenblick komisch erscheinen mag: das Gesicht. Ich habe darauf zu achten, daß auch bei größter Spannung kein Zucken der Mundwinkel erfolgt, denn was haben die Mundwinkel mit der Spannung im Arm zu tun? Wenn sich bei einer Spannungsspitze das Gesicht verzieht, so deutet das darauf hin, daß die hohe Spannung nicht "ohne Anstrengung" erreicht wird.

Das sollte aber meiner Meinung nach ein Ziel sein, Kraft "ohne Anstrengung" zu erreichen und ohne sich zu verkrampfen. Denn wenn ich rechts meinen Arm nur mit besonderer Anstrengung stabilisieren kann, so nimmt er die Aufmerksamkeit zu sehr in Anspruch und der linke Arm gerät mir aus der Kontrolle und verkrampft ebenfalls. Die Schwierigkeit dabei ist mehr eine Sache der Konzentration, denn ich darf an nichts anderes denken, als an die Bewegung. Die Bewegung wird so langsam, daß man sie von außen gar nicht mehr wahrnehmen kann. Sobald mein Bewußtsein abgelenkt wird, wenn ich an etwas anderes denke, wird die Bewegung sofort schneller oder hört auf. Gleichzeitig muß ich versuchen, die Beinspannung konstant zu halten und auch auf den linken Arm zu achten. Interessant ist es zu beobachten, wenn man im Training diese Übung 3 bis 4 Minuten machen läßt: Der Anfänger ist schon mit dem ganzen Satz fertig, während der Fortgeschrittene erst die Hand geöffnet hat. Dies ist vielleicht auch ein Grund, warum dieser Satz "die dreifache Verehrung Buddhas" heißt. Buddha sagte: "Wenn ich gehe, gehe ich; wenn ich esse, esse ich." Das heißt, sein Bewußtsein ist konzentriert auf das, was er gerade tut. Diese Fähigkeit muß entwickelt werden, um die Bewegungen so langsam machen zu können. Oder anders, wenn man den 3. Satz der SNT so langsam macht, verehrt man die Methode Buddhas, indem man sie praktiziert. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in einem Tag um den Boddhi-Baum (der Baum, unter dem Buddha erleuchtet wurde) herumgeht oder in einer Stunde dreimal Fook-Sau vorschiebt. Die SNT hat natürlich noch viel mehr Aspekte, aber ich will es damit bewenden lassen und hoffe, ein paar Anregungen geliefert zu haben, sich eingehender mit der "kleinen Idee" zu beschäftigen.

 
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